Was ist Hyperakusis? Erklärung + 2 Tipps
Hyperakusis ist eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen. Wir erklären, was diese Hörstörung bedeutet, wie sie entsteht und was du dagegen tun kannst.
Mach den nächsten Schritt für dein Gehör
In unserem Blog verweisen wir regelmäßig auf sogenannte „Ohrerkrankungen“. Eine davon ist die Hyperakusis. In diesem Beitrag erklären wir, was diese Erkrankung genau bedeutet und was du dagegen tun kannst.
Was ist Hyperakusis?
Das Wort Hyperakusis selbst bedeutet im Griechischen so viel wie „Ich höre zu viel“. Und genau dafür steht diese Hörstörung. Sie ist nicht lebensbedrohlich, kann aber als störend, lästig oder sogar schmerzhaft empfunden werden. Bei dieser Erkrankung reagiert die betroffene Person überempfindlich auf Geräusche. Der Schall lässt sich nicht richtig filtern, weshalb er als unangenehm beschrieben werden kann. Nicht jeder Mensch erlebt diese Erkrankung auf dieselbe Weise. Ausmaß und Schweregrad sind von Person zu Person unterschiedlich. Außerdem ist sie nicht altersabhängig und kann in jedem Alter auftreten. Meistens verläuft sie chronisch und geht häufig mit Hörverlust oder Tinnitus (Ohrensausen) einher. Schätzungen zufolge sind etwa 3 Prozent der niederländischen Bevölkerung von dieser Erkrankung betroffen.
Eine Toleranzgrenze
Jeder Mensch hat seine eigene Toleranzgrenze, wenn es um Geräusche geht. Das merkst du daran, wie laut jemand den Fernseher einstellt oder wie laut jemand Musik hört. Während der eine das Hören über Kopfhörer gut erträgt, ist das für den anderen nicht möglich. Oder der eine stellt den Fernseher etwas leiser ein als der andere. Das ist die Geräuschtoleranzgrenze. Wenn du diese Grenze überschreitest, kann es sein, dass dir die Lautstärke des Geräuschs Schmerzen oder Unbehagen bereitet. Menschen mit dieser Erkrankung können normale Geräusche oder Geräusche, die üblicherweise nicht als laut empfunden werden, als unerträglich beschreiben. Das liegt daran, dass sie eine niedrige Geräuschtoleranzgrenze haben. Vergleicht man das mit dem Lautstärkeregler einer Fernbedienung, könnte man sagen, dass dieser bei diesen Menschen ständig zu hoch eingestellt ist. Die Menschen um sie herum hören ganz normal, doch für die Betroffenen sind die Geräusche viel zu laut.
Wie kommt das?
Hier spielt der sogenannte Dynamikbereich eine Rolle. Der Dynamikbereich ist die Fähigkeit unserer Ohren, sich schnell an wechselnde Lautstärken anzupassen. Wenn zum Beispiel das Radio läuft und du dich nebenbei unterhältst, kann es sein, dass dein Gesprächspartner ein leiseres Geräusch erzeugt als das Radio. Das bedeutet, dass sich deine Ohren an zwei unterschiedliche Lautstärken anpassen müssen. Bei den meisten Menschen funktioniert das problemlos. Weil sie sich anpassen können, hören sie beide Kanäle gut und es ist weiter alles in Ordnung. Bei Menschen mit dieser Erkrankung ist das deutlich schwieriger. Sie sind nicht in der Lage, diesen Wechsel der Lautstärke gut zu verarbeiten. Schnelle Veränderungen im Schall können von ihnen nicht ohne Weiteres verarbeitet werden. Sie können Geräusche nicht dämpfen, weshalb alles sehr scharf oder sehr laut klingt.
Warum ihnen die Fähigkeit fehlt, Geräusche zu dämpfen, ist bis zum heutigen Tag nicht bekannt. Allerdings wurde ein Zusammenhang zwischen verschiedenen Situationen und Hyperakusis festgestellt. So steht diese Erkrankung häufig in Verbindung mit anderen Erkrankungen und ist deren Folge.
Hörschäden
Es besteht die Vermutung, dass die Erkrankung durch eine Schädigung des Hörorgans verursacht wird. Diese kann zum Beispiel durch eine Verletzung, einen Schlag auf den Kopf oder durch ein Trauma entstehen, das durch Lärm ausgelöst wurde. Dabei kannst du an eine langanhaltende Lärmbelastung denken, durch die das Gehör beschädigt wurde. Das wird auch als Lärmtrauma bezeichnet. Es kann auch sein, dass bei einer Operation etwas schiefgegangen ist und das Gehör dadurch geschädigt wurde. Außerdem kann eine Schädigung des Nervensystems vorliegen, die diese Erkrankung verursacht.
Schließlich kann auch eine gestörte Kommunikation zwischen dem Hörorgan und dem Gehirn vorliegen. Dann kann kein guter Ausgleich der Schallreize erfolgen. Dies kommt mitunter bei einer Hirnblutung vor. Dabei tritt auch gelegentlich eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen auf. Das sind mögliche Ursachen und Zusammenhänge, die bislang festgestellt wurden. Solange die Ursache der Erkrankung selbst jedoch noch nicht bekannt ist, lässt sich auch keine Gewissheit über diese Zusammenhänge erlangen.
Wie wird sie diagnostiziert?
Ein HNO-Arzt hat die Möglichkeit, Hyperakusis zu diagnostizieren. Dies geschieht mithilfe von Hörtests. Bei diesen Tests werden Geräusche in verschiedenen Frequenzen abgespielt und der Grad der Überempfindlichkeit wird bestimmt. Wichtig ist dabei, dass du dem Spezialisten deutlich mitteilst, wann das Geräusch zu laut klingt, damit die Diagnose korrekt gestellt werden kann. Und natürlich kann er das dann berücksichtigen und die Lautstärke wird nicht weiter erhöht. Sobald die Diagnose gestellt ist, lässt sie sich nicht behandeln. Das hängt auch damit zusammen, dass über die Ursachen so wenig bekannt ist. Deshalb empfiehlt es sich, mit der Erkrankung zu leben, so schwierig das anfangs auch sein mag.
Für viele Menschen ist es bereits ein enormer Schritt, zum Arzt zu gehen, um eine Diagnose zu bekommen. Aber wisse, dass es sich nicht um eine lebensbedrohliche Krankheit handelt. Nachdem die Diagnose gestellt wurde, kannst du sie auch mit anderen besprechen, damit auch sie Rücksicht auf dich nehmen können.
Leben mit Hyperakusis und Hyperakusis-Gehörschutz
Die Geräusche um dich herum kannst du natürlich nicht abstellen. Denk an das Rascheln von Papier, sprechende Menschen oder sogar schreiende Kinder. Darüber hinaus kann sogar die Hintergrundmusik in einem Restaurant störend sein. Diese Geräusche lassen sich nicht vermeiden. Du kannst dich natürlich bemühen, aber es wird immer Geräusche geben. Deshalb kannst du dich auch dafür entscheiden, die Erkrankung anzunehmen. Für viele Menschen ist das kein einfacher Schritt, aber wisse, dass du nicht der Einzige bist, der diese Erkrankung hat. Suche den Kontakt zu Betroffenen oder sprich mit deinem direkten Umfeld darüber. Es gibt keine Medikamente gegen die Erkrankung. Manche Medikamente haben allerdings Einfluss auf die Erkrankung und können sie sogar verursachen oder verschlimmern.
Tipp #1: Schütze deine Ohren
Gerade weil für andere nicht sichtbar ist, dass du Hyperakusis hast, ist es wichtig, darüber zu sprechen. Ein audiologisches Zentrum oder manchmal ein Psychologe kann dir helfen, damit umzugehen, wenn es dir selbst nicht gelingt. Bei dieser Begleitung wird auch auf Übungen eingegangen, die du selbst im Alltag ausprobieren kannst. Bei diesen Übungen liegt der Fokus auf den Geräuschen um dich herum und auf der Gewöhnung an diese Geräusche. Mithilfe solcher Übungen kannst du lernen, weniger empfindlich auf Geräusche zu reagieren.
Neben dem Annehmen ist es natürlich auch wichtig, dass du dein Gehör schützt. Hyperakusis-Gehörschutz bedeutet, möglichst viele laute Geräusche zu vermeiden. So ist es zum Beispiel nicht ratsam, an Orte zu gehen, an denen laute Musik im Mittelpunkt steht, oder laute Musik über Kopfhörer zu hören, wenn du das auch über einen gedämpften Lautsprecher tun kannst. Indem du solche Dinge vermeidest, sorgst du dafür, dass dein Gehör nicht (weiter) geschädigt wird, falls dies die Ursache der Erkrankung ist. Denn du würdest es nur schlimmer machen, wenn du keine Rücksicht darauf nehmen würdest. Vergiss nicht, dass es unumkehrbar ist, wenn dein Gehör nur noch weiter geschädigt wird.
Tipp #2: Suche nach Anerkennung
Eine der schwierigen Seiten einer Erkrankung ist die Suche nach Anerkennung. Da sie nicht häufig vorkommt, wirst du manche Menschen überraschen, wenn du erzählst, was du hast. Aber das macht es nicht seltsam. Dein Umfeld sollte dich verstehen und Verständnis für die Situation aufbringen, in der du dich befindest. Durch diese Anerkennung wird dein Leben deutlich entspannter und du weißt, dass du von den Menschen um dich herum Unterstützung erhältst. Da derzeit noch wenig über die Erkrankung bekannt ist, geht es jetzt vor allem darum, dass du lernst, damit zu leben, und dass du die Menschen um dich herum gut informierst.